tuempeln.de · Alles über Lebendfutter

Lebendfutter selbst fangen

Auf dieser Seite gebe ich meine Tümpelerfahrungen an interessierte Aquarianer weiter. Ich hoffe, dass die Informationen verständlich und verwertbar sind und das Interesse am Tümpeln wecken. Bei Fragen stehe ich gerne zur Verfügung.

Was verbirgt sich hinter diesem merkwürdigen Begriff "Tümpeln"?

Tümpel sind Kleingewässer, wie Dorfteich, größere Wasserlöcher in Steinbrüchen und dergleichen. Unter Tümpeltour (Tümpeln) werden in der Literatur gewässerkundliche Exkursionen bezeichnet, die meist den Sinn haben, Lebendfutter für unsere Vivarientiere zu beschaffen.

Für mich ist es viel mehr: Ich lerne die Natur kennen, in dem ich Tiere in ihrem natürlichen Lebensraum beobachte, immer wieder (für mich) unbekannte Pflanzen und Tiere entdecke, mich entspanne und mit Vereinskollegen und anderen Aquarianern viel über mein Hobby rede.




Grundausstattung:

Hier soll ein kleiner Überblick gegeben werden, welche Ausstattung beim Tümpeln benötigt bzw. empfohlen wird.


Für Gelegenheitstümpler:

  • Kleiner Kescher (wird oft zum Reinigen von Swimmingpools angeboten) bzw. größerer Aquarienkescher (reicht für die Regentonne).

  • Verschließbarer Eimer (leerer Farbeimer, der nach dem Renovieren ohnehin übrig ist oder ein gebrauchter Sahneeimer (5 Liter) aus einer Konditorei, den man meistens kostenlos bekommt)


Für Leute, die regelmäßig zum Tümpeln gehen möchten:

  • Größerer Kescher mit langem, ausziehbarem Stiel (Angelgeschäft)

  • Austauschbare Netze mit unterschiedlicher Maschenweite bzw. Zweitkescher (einfacher ;-))

  • Mehrere verschließbare Eimer (z.B. 5-Liter-Sahneeimer aus einer Konditorei)

  • Wetterfeste Kleidung und Gummistiefel

  • Siebsatz, um die Futtertiere zu Hause nach Größe sortieren zu können


Sehr empfehlen kann ich Kescherstiele aus Karbon (Achtung: Teuer, aber gut). Dieses Material ist nahezu unverwüstlich und sehr leicht. Man bekommt sie in jedem gut ausgestatteten Geschäft für Angelbedarf in unterschiedlichen Längen (mehrteilig, ausziehbar). Von Kescherstielen aus Aluminium, die durch Drehen festgestellt werden, kann ich leider trotz des attraktiven Preises (~ 20,- DM/Sommer 1999) nur abraten: Der Mechanismus zum Feststellen hat bei mir nicht lange gehalten. Man kann natürlich auch einfach einen Besenstiel benutzen, der jedoch vor allem im Winter seine Nachteile hat (zu kurz, um unter einer Eisdecke effizient zu fischen).

Wer seinen Kescher selbst bauen möchte, findet hier eine Bauanleitung.


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Welche Futtertiere kann ich wann und wo fangen?

Das ist wahrscheinlich die Frage, die sich die meisten stellen, die bisher nur von "Tümpeltouren" und "Lebendfutter selbst fangen" gelesen oder gehört haben.

Fang von Schwarzen Mueckenlarven Nun, angefangen von der Regentonne über den Dorfteich bis zum großen See finden wir fast überall eine Möglichkeit, Futter für unsere Pfleglinge zu finden und zu fangen. Und glücklicherweise jahreszeitenunabhängig! Wir müssen nur etwas flexibel sein, und uns nicht auf ein Gewässer beschränken, da in den meisten Gewässern temperatur- und jahreszeitenunabhängige Perioden festzustellen sind. Bei länger anhaltender Hitze brechen Cyclopspopulationen oft vollständig zusammen, so dass sich das Tümpeln in diesem Teich nicht mehr rentiert. Das zwingt uns zu einem regelmäßigen Wechsel unser Fanggewässer. Ein paar Wochen später kann es schon wieder ganz anders aussehen.

Schwarze Mueckenlarven im Kescher Schwarze Mückenlarven können schon im zeitigen Frühjahr (Anfang März) in Wasserlachen am Waldrand bzw. im Wald in Mengen gefangen werden. Man findet sie bereits in Restwassertümpeln, bevor die letzte Eisschicht an der Wasseroberfläche verschwunden ist.

Im Sommer bieten sich für Gartenbesitzer die eigenen Regentonnen (bzw. die der Nachbarschaft) zum Fang an. Man erkennt die Larven bzw. Puppen daran, dass sie, mit dem Hinterleib an der Wasseroberfläche, Luft atmen und bei der kleinsten Erschütterung nach unten flüchten.

Sie bilden ein ausgezeichnetes Futter für unsere Fische. Der einzige Nachteil daran ist, dass nicht gefressene Exemplare sich bei Aquarientemperaturen recht schnell zur fertigen Mücke entwickeln und somit zum Plagegeist werden. Aber auch daran gewöhnt man sich. Es soll sogar Aquarianer geben, die ungewollt auf ihrem Fensterbrett (in Einmachgläsern für Pantoffeltierchen) die nächste Generation Stechmücken heranziehen (also eine geglückte Wildfangnachzucht ;-)).

Weiße und Rote Mückenlarven können ganzjährig in geringer Anzahl sozusagen als "Beifänge" gefangen werden. Es gibt aber auch Perioden, in denen sie in größeren Mengen vorkommen. Diese Zeit muss wie oft behauptet, nicht unbedingt auf die Wintermonate fallen.

Wasserflöhe sind in der warmen Jahreszeit (Sommermonate) häufig in Dorfteichen mit Wassergeflügel sowie in kleinen Restwasseransammlungen am Waldrand zu erbeuten. Im Gegensatz zu Cyclops brechen die Populationen bei einem Gewitter zusammen. Cyclops haben jedoch noch einen anderen nicht zu unterschätzenden Vorteil: Man kann ganzjährig auf sie Jagd machen. Im Winter lohnt es sich, wenn mit dem Teichbesitzer abgesprochen, mit einem Pickel die Eisdecke zu öffnen und zu tümpeln. Auch bieten sich große Seen mit ständigem Zu- und Ablauf an, da die Eisdecke entweder nicht vollständig zufriert oder aber sehr dünn ist.

Eintagsfliegenlarven finden wir oft in dauerüberschwemmten Wiesen (ganzjährig, auch unter der Eisfläche). Die Larven sind reine Wasserbewohner und sitzen an Wasserpflanzen. Mit dem Kescher klopft man die Wasserpflanzen ab, um dadurch die Larven aufzuscheuchen.


Zur Verfütterung:

Die gefangenen Tiere siebe ich mit einem feinmaschigen Sieb (Artemiasieb) bzw. bei Bedarf mit einem Siebsatz (wenn Futtertiere nach Größe aussortiert werden müssen) ab und verfüttere sie direkt, also ohne sie – wie von manchen Aquarianern empfohlen - unter fließendem Wasser abzuspülen. Das noch anhaftende Tümpelwasser reißt es nun wirklich nicht raus.

Anders als bei toten Futtertieren achte ich nicht darauf, dass das Tümpelfutter in wenigen Minuten gefressen wird. Einzelne Futtertiere überleben bei mir oft mehrere Tage. Wenn sie heute nicht gefressen werden, dann eben morgen, oder übermorgen ...


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Tipps zum Tümpeln

  • Wasserflöhe sollen in größeren Gewässern mit dem Wind ziehen, Cyclops gegen den Wind (in der Praxis meist nicht anwendbar, da man auf die Zugänglichkeit des Gewässer (Mönch, Stege, ...) angewiesen ist).

  • Gefangene Tiere bereits am Fangplatz auf unerwünschte Beifänge kontrollieren (Sichtkontrolle im Eimer). Kleinlibellenlarven kann man relativ leicht an ihrer langsamen, schlängelnden Schwimmweise von Eintagsfliegenlarven unterscheiden (letztere flüchten mit schneller Bewegung).

  • Nicht nur das „Freiwasser“ in Teichen ist interessant, sondern auch das Abklopfen der Uferböschung mit dem Kescher (ins Wasser hineinragende Pflanzen) bringen oft reichlich Futtertiere zum Vorschein (Eintagsfliegenlarven).

  • Eimer mit Wasserflöhen oder Cyclops nicht im Hausflur sondern nur im Freien oder im Keller lagern - sonst gibt es Ärger mit der Familie (nach 1-2 Tagen starke Geruchsbelästigung bei zu dichtem Besatz).


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Ungebetene Gäste

KarpfenlausIn vielen Berichten und Erzählungen liest und hört man immer wieder, wie "gefährlich" doch das Verfüttern von Tümpelfutter sei. Man schleppt sich Hydra, Karpfenläuse (rechtes Bild), Fräskopfwürmer und dergleichen ein, wodurch die gepflegten Fische Schaden nehmen.

Ich möchte diese Berichte sicherlich nicht anzweifeln, doch ist (meiner Meinung nach) die Wahrscheinlichkeit, eines dieser unangenehmen Lebewesen einzuschleppen, geringer als vielmals dargestellt. Mit Fräßkopfwürmer sowie Karpfenläusen hatte ich in meiner Aquarianerlaufbahn (immerhin über 20 Jahre) trotz regelmäßiger Verfütterung von Tümpelfutter noch nie zu tun. Lediglich mit Hydra und Planarien hatte bisher Bekanntschaft gemacht.



Planarien (Strudelwürmer)

PlanarieBei Planarien handelt es sich um flache, längliche Würmer (Farbe: Weiß über rötlich bis zu braun/schwarz; Größe: 5-25 mm - beides artabhängig), die sich unter günstigen Umständen (z. B. starke Fütterung mit Rinderherz) sehr rasch vermehren und so zu einer Plage werden können. Eingeschleppt werden sie meiner Meinung nach öfters mit Pflanzen aus anderen Aquarien als beim Lebendfutterfang. Fische werden durch eine Planarieninvasion nicht geschädigt. Unangenehm sind sie jedoch in Zuchtbecken, da sie sich an Fischlaich vergreifen.
Zur natürlichen Bekämpfung eignen sich Labyrinthfische (Makropoden, Fadenfische), die nach einer mehrtägigen Fastenzeit auch Planarien fressen. In diversen Büchern wird eine Temperaturerhöhung auf über 32°C empfohlen.
Ich empfehle eine komplette Beseitigung des vorhandenen Mulms sowie eine Verringerung der täglichen Futtermenge, um eine Reduzierung der Planarien zu erreichen. Bei kleinen Zuchtbecken setzte ich die Fischbrut in ein sauberes Becken um und reinige das "verseuchte" Aquarium mit heißen Wasser.


Süßwasserpolypen

Als Hydra werden in der Aquaristik im Allgemeinen alle Süßwasserpolypen bezeichnet, egal welcher Gattung sie angehören.Suesswasserpolypen/Hydra Der schlauchförmige Körper kann je nach Art zwischen 10-30 mm Länge, die Tentakeln (Fangarme) zwischen 10-250 (!) mm schwanken. Die Vermehrung findet geschlechtlich durch Eier wie auch ungeschlechtlich durch Entwicklung von "Seitentrieben" statt (siehe Foto). Interessant ist auch, dass sich Süßwasserpolypen aus kleinsten Körperteilen wieder zu vollständigen Tieren regenerieren können. Als Nahrung kommen kleine Wassertiere wie Cyclops, Wasserflöhe aber auch Jungfische in Betracht, die mit den Tentakeln aus dem Wasser gefischt werden.

Ist ein Aquarium sichtlich mit Hydra verseucht (die Polypen sitzen dann dicht an dicht aneinander; wenn nur einzelne Polypen im Aquarium sind, würde ich nicht von einer „Verseuchung“ sprechen!), kann man den Fischen ein gewisses Unwohlsein ansehen, was vermutlich davon kommt, dass sie immer wieder mit den nesselnden Tentakeln der Polypen in Berührung kommen.

Sicher sind Süßwasserpolypen ein interessantes Beobachtungsobjekt, in einem Zucht- bzw. Aufzuchtbecken haben sie jedoch ganz und gar nichts verloren, da sie unter anderem auch Fischbrut fangen und verdauen.

Eine Bekämpfung würde ich in einem Zucht- oder Aufzuchtbecken unterlassen. Lieber sollte man Brut und Jungfische regelmäßig in ein "sauberes" Aquarium umsetzen.

Nachtrag: ich konnte in den letzten Wochen eine Art im Aquarium beobachten, die in der Literatur als Grüne Hydra bezeichnet wird. Der Körper ist grünlich, ca. 8 mm lang und besitzt nur sehr kurze Tentakel mit ca. 2-3 mm Länge. Diese Art soll sich hauptsächlich von Symbiosealgen ernähren und keine Futtertiere aus dem Wasser fangen. Meine Beobachtungen können das bestätigen: Ich hatte sie in wenigen Exemplaren mit Jungbrut von Copella cf. nattereri hinter meinem Mattenfilter, ohne Verluste bei den Jungfischen zu erleiden.


Biologische Bekämpfung

  • Manche Fische sollen bei Mangel anderer Nahrung auch Hydra fressen, so z. B. Honigguramis, blaue Fadenfische und Macropoden. Aber nicht jeder möchte diese Fische in sein Aquarium einsetzen, da man später oft nicht weiß wohin damit. Ich habe Hydra mehrmals erfolgreich mit "Aushungern" bekämpft. Darunter verstehe ich die Umstellung der Fischernährung auf grobes Futter wie Drosophila, großen Mückenlarven, ... Leider konnte ich bisher auch schon das Fangen von Schwarzen Mückenlarven beobachten, jedoch finden die Polypen weitaus weniger Nahrung als bei regelmäßiger Fütterung von Cyclops.


Chemische Bekämpfung

  • Ammoniumnitrat

    Fink (Taschenkalender 1933) empfiehlt vor der Behandlung eine intensive Fütterung mit Daphnien. Das benötigte Ammoniumnitrat wird in einem Liter Aquarienwasser durch Umrühren gelöst und in das Aquarium gegeben (da sicherlich nicht jeder über eine supergenaue Waage verfügt, empfiehlt sich das Ansetzen einer Stammlösung). Die Wassertemperatur sollte um 5°C erhöht werden.
    Die Dosierung ist abhängig vom pH-Wert des Aquarienwassers, da sich Ammonium bei pH-Werten über 7 zu giftigem Ammoniak umwandelt. Eventuell sollten die Fische vor einer Behandlung aus dem Aquarium entfernt werden.

    Bei einem PH-Wert von 6,5 gibt Fink eine Konzentration von 3 Gramm / 10 Liter, bei einem PH-Wert von 7,5 - 8,1 eine Konzentration von 0,6 Gramm / 10 Liter an.

  • Flubendazol (Flubenol) 5 %

    Bei diesem Mittel handelt es sich um ein verschreibungspflichtiges Medikament, dass man sich über einen Tierarzt besorgen muss. Leider sind 600 g die kleinste Verpackungseinheit (DM 60,- - Stand: 7/2000), so dass man theoretisch einen oder mehrere Aquarienvereine ein Leben lang mit diesem Mittel gegen Hydra versorgen könnte, denn es werden nur kleinste Mengen (3 mm aller vier Zinken einer Gabel auf 100 l Aquarienwasser - mündliche Mitteilung D. Ott, Meeder) benötigt.

    Ich habe mittlerweile (Mai 2009) auch eine Hydra-Bekämpfung mit Flubendazol in meinem Wohnzimmeraquarium durchgeführt und kann bestätigen, dass es tatsächlich funktioniert. Auf 450 Liter Aquarienwasser (Nettoinhalt des Aquariums) habe ich ca. einen Teelöffel Flubendazol gegeben (bevor es ins Aquarium kam, habe ich es durch kräftiges Schütteln in einem verschlossenen Glas mit Aquariumwasser versucht aufzulösen - Flubendazol ist schlecht wasserlöslich). Bereits nach einem Tag haben die Polypen ihre Fangarme eingezogen, nach vier Tagen waren sie fast komplett verschwunden. Die im Aquarium lebenden Schnecken zeigten sich unbeeindruckt, die Fische ebenso.

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