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Stechmückenlarven - "Schwarze Mückenlarven"

Larve einer StechmückeUnter den Sammelbegriff "Schwarze Mückenlarven" fallen in der Aquaristik die Larven und Puppen der verschiedenen Stechmückenarten (Culicidae). Von den fünf in Deutschland vorkommenden Arten sind für uns die Gattungen Culex sowie Aedes interessant.

Foto Stechmuecke weiblichNur die weiblichen Stechmücken besitzen einen Stechrüssel, mit dem sie Blut saugen (notwendig für die Eientwicklung); die Männchen ernähren sich im Gegensatz dazu von Pflanzensäften und Wasser. Die Geschlechtsunterscheidung erfolgt auf Grund des Rüssels und der Antennen (Männchen: Lange, behaarte Antennen; Weibchen: Kurze Antennen).

Bereits im zeitigen Frühjahr (Januar/Februar) während der ersten Schneeschmelze lassen sich Schwarze Mückenlarven (Gattung: Aedes) in Wasserpfützen im Wald oder am Waldrand fangen. Die Eier wurden von den Mückenweibchen bereits im vergangenen Herbst in den feuchten Boden abgelegt und können mehrmonatige Trockenpausen überstehen. Leider stehen diese Wasserlachen mit oft sehr großen Populationen nur für wenige Wochen zur Verfügung: Sobald es wärmer wird versiegen sie. Beim Fang sollte in dieser Jahreszeit beachtet werden, dass die Larven nicht wie im Sommer die meiste Zeit an der Wasseroberfläche hängen, sondern aktiv in allen Wasserschichten auf Nahrungssuche gehen.


Eischiffchen von Stechmücken Puppe einer Stechmücke Sobald es wärmer wird legen Weibchen der Gattung Culex ihre wenige Millimeter langen Eischiffchen auf die Wasseroberfläche stehender Gewässer (z. B. in Tümpel, Wassergräben, Regentonnen). Ein Eischiffchen besteht aus 200 bis 300 Eiern, aus denen sich innerhalb zwei bis drei Wochen (temperaturabhängig) vom Larven- über das Puppenstadium die fertigen Insekten entwickeln. Die Larven atmen über eine Luftröhre am Hinterende, die Puppen über zwei Luftröhren am Kopf atmosphärische Luft. Während der Entwicklung ernähren sich die Larven von organischem Material, das mit dem Mundapparat aus dem Wasser gefiltert wird. Die Larven weiden aber auch Oberflächen von vermodernden Pflanzen und Laub ab.

Artabhängig erreichen die Larven unserer einheimischen Stechmücken eine Länge zwischen 6-11 mm. Die größten Larven und Puppen fange ich zwischen Februar und April (Larven der Gattung Aedes). Hier ist auch die höchste Ausbeute an Larven zu erzielen.

 

Gezielte Förderung der Entwicklung von Schwarzen Mückenlarven:

Die gezielte, planmäßige Zucht von Stechmücken ist sicherlich für den Aquarianer nicht ohne weiteres machbar, mit geringen Mitteln kann die Entwicklung von Larven im Garten (=Regentonnen) aber unterstützt werden.

Da Stechmückenweibchen für die Eiablage organisch belastete Wasseransammlungen wie beispielsweise Wasserlachen mit Laub oder überschwemmte Wiesen/Wassergräben mit sich zersetzendem Heu bevorzugen, ist es sinnvoll, die Regentonnen im Garten "attraktiver" zu gestalten.

Deshalb gebe ich Brennnesseln (je nach Größe 5-20) in 200 l fassenden Regenfässer. Die Brennnesseln sollten vorher zumindest angetrocknet sein, da sich frische Brennnesseln nicht so schnell zersetzen bzw. im ungünstigsten Fall erneut austreiben. Nach wenigen Tagen (ich bezeichne es als "Einfahrzeit") beginnt der Zersetzungsprozess der Brennnesseln und das Wasser entwickelt einen unangenehmen Geruch, der jedoch nur aus sehr kurzer Distanz (bei mir bis ca. 10 cm über der Wasseroberfläche) wahrzunehmen ist. Lässt der Geruch des Wassers nach, können weitere Brennnesseln "nachgelegt" werden. Der erwartete Gestank - wie ich ihn von früheren Ansätzen gegen Blattläuse von meinen Eltern her kannte – bleibt bei dieser geringen Dosierung von Nesseln aus.

Je nach Menge an Brennnesseln entsteht nach einigen Tagen eine mehr oder weniger starke Kahmhaut. Den Mückenlarven ist es egal – nur stört sie beim Abfischen. Man kann sie jedoch leicht entfernen in dem man mit einer Gieskanne die Wasseroberfläche beregnet (der Schmodder wird nach unten gespült).

Durch die Menge an Nesseln und den daraus resultierenden Geruch/Gestank lässt sich die Ausbeute steuern: Umso widerlicher der Geruch des Fasses umso anziehender ist er auf die Stechmückenweibchen und umso mehr Eipackete werden abgelegt. Wer also einen großen Garten hat und somit die Fässer nicht neben der Terrasse aufstellen muss, sollte auch einmal mit größeren Mengen an Brennnesseln experimentieren. Es lohnt sich!


Vergesellschaftung mit Wasserflöhen:

In den Fässern mit Brennnesselbrühe lassen sich auch Wasserflöhe mit ansiedeln, die ohne weiteres Zutun eine stabile Population aufbauen. Verringert sich die Menge an Mückenlarven (z.B. durch mehrere kalte Tage hintereinander) steigt die Ausbeute an Wasserflöhen.


Resümee:

Im Vergleich zu "sauberen" Regentonnen ist die Ausbeute an Larven in den "vergammelten" Fässern um ein vielfaches höher. Mir kommt es auch so vor, als wenn die Larven in der Brennnesselbrühe um einiges schneller wachsen (erklärbar durch die höhere Nahrungsverfügbarkeit). Ein weiterer Pluspunkt ist das Aufkommen von Zuckmückenlarven (Rote Mückenlarven), die als Beifang eine willkommene Abwechslung für meine Fische sind.

Ich habe meine Fässer zu schätzen gelernt: Habe ich doch in den warmen Monaten täglich frisches Lebendfutter "direkt" vor der Haustür.


Literaturnachweis:

  • BELLMANN, HEIKO: Leben in Bach und Teich
  • BREMER, HEINZ: Aquarienfische gesund ernähren
  • ENGELHARDT, W.: Was lebt in Tümpel Bach und Weiher
  • diverse Internetseiten zum Thema

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