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Bauanleitung für einen Tümpelkescher:

Wer tümpeln gehen möchte, braucht in erster Linie einen geeigneten Kescher, also ein Netz, das an einem möglichst in der Länge variablen Stiel befestigt ist. Geeignete Kescherstiele führt jedes Angelgeschäft. Es gibt dort die unterschiedlichsten Ausführungen: Angefangen von Holz oder Aluminium bis hin zu Karbon (was in meinen Augen am haltbarsten ist - leider jedoch auch am teuersten). Fast alle dieser Kescherstiele haben eines gemeinsam: Ein Standardgewinde (M10) um das Netz zu befestigen. Falls der Stiel kein metrisches Gewinde haben sollte, kann man im Geschäft nachfragen, ob der Verkäufer das Gewinde nachschneidet. Andernfalls ist es mit geeignetem Werkzeug (Innengewindeschneider) auch kein Problem das selbst zu erledigen.

Die hier beschriebene Bauanleitung setzt einen Kescherstiel mit einem M10-Gewinde voraus und erklärt den Bau von Netzrahmen (Durchmesser ca. 32 cm) und Netz. Wer mit dem Kescher auch "Kleinstgewässer" wie Regentonnen abfischen möchten, empfehle ich, sich nach einem passenden Griff (mit 10er Innengewinde) umzusehen. Bei mir hat sich ein umgebauter Motorradgriff (mit eingesetzem Kunststoffrohr und M10-Innengewinde) bewährt.


Folgendes Material wird benötigt:

Für den Netzrahmen:

  • Ca. 1 m Stahldraht (5 mm Durchmesser - gibt es als Meterware - optimal wäre natürlich Edelstahl)

  • 1 Sechskantschraube M10/20 (20 mm Gewindelänge)

  • 1 Sechskantmutter "M10"

  • 2 Stahlnägel (2,0/16) (bzw. entsprechende Splinte)

  • Optional, aber empfehlenswert: 95 cm Schrumpfschlauch als Ummantelung für Stahldraht (8 mm Durchmesser)


Für das Netz:

  • Engmaschiger Gardinenstoff (wichtig ist die Reißfestigkeit), Stoffverbrauch in diesem Beispiel ca. 45x90 cm

 

An Werkzeug wird benötigt:

Standbohrmaschine, kleiner Schraubstock (zum Bohren), Körner (vor dem Bohren Bohrstelle unbedingt ankörnen!), Feile, Hammer, Metallbohrer (5 mm und 2 mm Durchmesser), stabiler 10-Liter-Eimer (am besten diese festen schwarzen Eimer) oder Baumstamm oder ... als Biegehilfe für den Stahldraht, Nähzeug.



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Nun zur Ausführung:

  1. Mutter bis zum Anschlag auf die Schraube drehen (so dass die Kanten der Mutter parallel zum Schraubenkopf sind). Tipp: Gibt man vor dem Festdrehen der Mutter etwas Sekundenkleber auf das Gewinde, löst sich die Mutter auf keinen Fall mehr beim Bohren.

  2. Mit dem 5mm-Bohrer mittig durch den Schraubenkopf bohren (nicht vergessen die Bohrkanten anschließend zu entgraten) (Zeichnung 1) (Foto 1)

  3. Mit dem 2-mm-Bohrer den Schraubenkopf von oben durchbohren (Zeichnung 2) - diese Löcher dienen später der Fixierung des Stahldrahts (Foto 2)

  4. Eine Seite des Stahldrahts ca. 5 mm in den Schraubenkopf einführen und die Schraube senkrecht in den Schraubstock einspannen (mit den beiden kl. Löchern nach oben)

  5. Den in die Schraube eingeführten Stahldraht mit dem 2mm-Bohrer durchbohren (das Loch im Schraubenkopf dient als Führung)

  6. Stahldraht mit einem 16 mm-Stahlnagel fixieren (mit dem Hammer von oben in den Schraubenkopf durch das gebohrte Loch schlagen)

  7. Stahldraht mit Hilfsmaterial (Eimer) „kreisrund“ biegen
    (vom Eimer eignet sich der stabilere Bereich kurz vor dem Eimerboden)

  8. Das andere Ende des Stahldrahts in das noch freie Loch des Schraubenkopfes bis zum Anschlag einführen und wie in 5. beschrieben durchbohren (2 mm-Bohrer); noch nicht mit einem Nagel fixieren da erst das Netz aufgezogen werden muss! (Foto 3)


In der Praxis hat sich gezeigt, dass der Stahldraht im Laufe der Zeit zu rosten beginnt. Dadurch wetzt sich der Gardinenstoff an den Kontaktstellen zum Draht mit der Zeit durch. Dieses Problem umgehe ich, indem ich den Stahldraht mit Schrumpfschlauch überziehe. Eine gleichmäßige Schrumpfung wird erreicht, indem man den fertig gebogenen Draht (mit aufgezogenen Schrumpfschlauch) für ein paar Minuten in den warmen Backofen legt.


Das Grundgerüst für unseren Tümpelkescher ist fertig gestellt. Wenn das Netz (wie in Herstellung des Netzes) auf den Stahldraht aufgezogen ist, kann dieser im Schraubenkopf mit dem zweiten Stahlnagel befestigt werden.

Durch die Fixierung des Drahtes mit Stahlnägeln kann das Netz bei Bedarf mit geringem Aufwand ausgetauscht werden. Verschleißteile sind lediglich die Stahlnägel und das Netz.

Die Durchführung klingt in der Theorie vermutlich schlimmer als es ist: Das Grundgerüst ist in ca. 30 Minuten erledigt, hinzu kommt natürlich noch die Arbeitszeit für das Nähen des Netzes.



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Herstellung des Netzes

Das eigentliche Netz wird aus Gardine genäht. Wichtig ist hierbei die Reißfestigkeit sowie die Maschenweite (eine reiche Auswahl findet man in Kaufhäusern am „Wühltisch“ für Gardinenrestposten). Die benötigte Menge an Gardine errechnet sich grob aus dem Durchmesser unseres Kescherrahmens sowie der gewünschten Netztiefe. Gehen wir von dem oben beschriebenen Kescher mit ca. 32 cm Durchmesser und einer gewünschten Netztiefe von 40 cm aus:

Wir zeichnen einen Halbkreis mit einem Radius von 42 cm auf ein Stück Papier. Über den Kreisbogen zeichnen wir zusätzlich einen 3 cm breiten Streifen für den Umschlag zum Einziehen des Stahldrahts (Skizze 1).

Am Kreisboden messen wir die Länge des Stahldrahtes ab und geben noch etwa 5 cm für Nähte und Mehrlänge hinzu. Den restlichen Sektor (schraffiert gezeichnet, Bogenlänge ca. 25 cm) schneiden wir ab (Skizze 2).


Verarbeitung des Kescher-Trichters:

  1. Papier-Muster ausschneiden, Gardinenstoff aufzeichnen und zuschneiden

  2. Den Umschlag vor dem Nähen ca. 3 cm breit umbügeln

  3. Längsnaht „L“ zusammen nähen, so dass ein Trichter entsteht. Die Naht doppelt nähen, mit Zick-Zack-Stich versäubern oder als Rechts-Links-Naht schließen (Skizze 3)

  4. Vorgebügelten Umschlag etwa 1,5 cm breit durchnähen, dabei ca. 4 cm zum Einziehen des Stahldrahts offen lassen (Skizze 4)

Wegen des flexiblen Textilmaterials sollten alle Nähte möglichst doppelt genäht oder mit Zick-Zack-Stich versäubert werden.

Stoffverbrauch in diesem Beispiel 45 cm x 90 cm.



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Nichts geht ohne Optimierung:

Mein Freund Frank (der Bastler schlechthin) war irgendwann der Meinung, dass die bisherige Ausführung "unprofessionell" sei. Und so kam dann die "professionelle" Variante der Kescherhalterung.

Wir verwenden weiterhin eine M10er Schraube, bei der auf den Schraubenkopf ein 35x20x10 mm großes Stück Stahl geschweißt wird. Der Stahl wird der Länge nach mittig durchbohrt (5 mm), der Stahldraht anstatt mit 2 mm-starken Nägeln nun mit zwei Splinten (1 cm lang, Durchmesser 2 mm) befestigt (Foto 4: Schraube mit zwei Splinten). Die Splinte haben gegenüber den Nägeln den Vorteil, dass sie bei Bedarf leichter ausgetauscht werden können (wenn sie denn mal kaputt gehen sollten - bisher halten sie). )

Bei den letzten Keschern haben wir den Stahldraht einseitig festgeschweisst (einseitig, damit das Netz noch getauscht werden kann). Hiermit wollen wir eine noch höhere Stabilität erreichen, da ich im Winter den Kescher regelmässig zum Entfernen von Eisschollen missbrauche.

Wie aus der kurzen Beschreibung hervorgeht, ist der benötigte Aufwand an Werkzeugen/Maschinen natürlich viel höher als bei der früheren Ausführung. Die erste Version war gut, die "Profiversion" ist besser. Aber man kann auch ohne sie leben und ohne Frank wäre auch ich noch sehr zufrieden damit :-).




Danksagung:

Ich bedanke mich recht herzlich bei Günther Calnbach, der die Idee für den Kescherbau hatte und auch in die Tat umsetzte. Ohne ihn gäbe es diese Anleitung gar nicht. Weiterer Dank gilt meinem Papa für die fachliche Unterstützung bei der Ausführung und Dokumentation des Netzes. Nicht unerwähnt darf natürlich Frank Wachsmann und unbekannterweise auch "Friedwald" für die Optimierung der "Hardware" bleiben.

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