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Frostfutter selbst herstellen (aus fangfrischem Tümpelfutter)

Ich habe es jahrelang abgelehnt, Tümpelfutter selbst einzufrieren, da ich nicht im Besitz eines Schockfrosters bin und ich bisher einen solchen als notwendig ansah, um die Futtertiere ohne Schädigung der Zellen einzufrieren (siehe hierzu BREMER, Seite 132 und 133).

Dieses Jahr (Frühjahr 2010) habe ich es dann doch mit dem Selbsteinfrieren versucht. Die Gründe dazu waren einerseits die teils unbefriedigende Qualität des von mir in den letzten Jahren gekauften Frostfutters und andererseits die saisonal extrem große Verfügbarkeit von Lebendfutter, wie z. B. Schwarze Mückenlarven im Frühjahr.

Frostfutterbeutel

Ein weiterer Grund zu eigenen Versuchen war sicherlich auch, dass unser Gefrierschrank eine Taste für "Superfrost" besitzt - also eine Möglichkeit, die Temperatur relativ schnell abzusenken (hier ein kleines Danke an die Fa. Liebherr).

Und so habe ich es dann auch gewagt, frei nach dem Motto: Schlechter als das gekaufte Frostfutter kann mein eigenes Frostfutter gar nicht werden.

Wichtig erscheint mir, dass man das frisch gefangene Tümpelfutter möglichst schnell und auch lebendig nach Hause transportiert und anschließend gleich weiterverarbeitet. Auch sollte man den Gefrierschrank bzw. die Gefriertruhe bereits vor der Tümpeltour auf die tiefst mögliche Temperatur einstellen. Vorteilhaft ist es, wenn der Gefrierschrank bzw. die Tiefkühltruhe eine Temperaturanzeige hat. Unser Gefrierschrank schafft es mit aktivem "Superfrost" innerhalb einer relativ kurzen Zeit auf eine Temperatur von -28 °C, über Nacht auf -34 °C, was für ein schnelles Durchfrieren der Futtertiere ausreicht.

Mit höheren Temperaturen - also kleinerer Zahl vor dem Minus - habe ich keine Erfahrung. Ich vermute jedoch, dass die Qualität des Frostfutters darunter leidet. Der Grund ist einfach: Zellflüssigkeit bildet bei niedrigerer Temperatur und schnellem Gefrieren kleinere Eiskristalle als bei höherer Temperatur. Dauert das Durchfrieren länger, bilden sich größere Eiskristalle und die Gefahr von aufplatzenden Zellen der Futtertiere ist größer. Weitere Infos gibt es hierzu z. B. bei wikipedia.org.

Gerade Tümpelfutter mit einem hohen Anteil an Wasserflöhen reagiert empfindlich auf lange Transportzeiten, aber auch Schwarze Mückenlarven sterben schnell ab, wenn die einzelnen Larven aufgrund einer hohen Besatzdichte im Transporteimer keine Möglichkeit haben, an der Wasseroberfläche zu atmen. Daher teile ich den Fang auf mehrere (zwei bis drei) 5l-Eimer auf und fahre unmittelbar nach dem Fang nach Hause.


Und dann zu Hause:

  • Zu Hause angekommen gieße ich den Fang im Waschbecken in einen Tümpelkescher und lasse das Wasser gut abtropfen. Bei dieser Gelegenheit werden auch Blätter und größere Grashalme entfernt. Hier bin ich jedoch genauso wenig pingelig, wie wenn ich das Tümpelfutter direkt verfüttere.

  • Anschließend verteile ich die abgesiebten Futtertiere mit der Hand als flache Schicht in Gefrierbeutel und verschließe sie mit Kunststoffklipsen. Praktikabel sind dabei Schichthöhen von 5 mm bis max. 8 mm. Dickere Schichten brauchen nicht nur länger beim Durchfrieren, sondern lassen sich später auch sehr schlecht brechen.

  • Nach dem Abpacken kommen die Gefrierbeutel direkt in den kalten Gefrierschrank, in dem sie hoffentlich recht schnell durchfrieren.

Frostfutterbeutel

Zur Ergiebigkeit: Zwei meiner 5 l-Eimer mit Tümpelfutter in Form von Wasserflöhen und Cyclops ergeben ungefähr 1½ Platten Frostfutter, was bei meiner Anzahl von Fischen theoretisch ca. zwei Wochen für die tägliche Fütterung ausreicht.

Mein selbst hergestelltes Frostfutter spüle ich vor dem Verfüttern nicht mit Leitungswasser, wie es bei manchen gekauften Frostfutter zu empfehlen ist. Im Gegensatz zu letzterem tritt bei meinem Frostfutter keine unangenehme Brühe aus.


Resümee:

Meine selbst eingefrorenen Schwarzen Mückenlarven (mit einem hohen Anteil an bereits verpuppten Larven) sind ein Traum - vor allem im Vergleich zu dem Matsch, den ich früher gekauft habe. Und auch meine gefrosteten Cyclops (mit einzelnen Schwarzen Mückenlarven und Wasserflöhen) sind gut geworden und werden erstaunlich gerne gefressen. Ein Vorteil ist, dass man weiß, woher das Futter kommt und wie alt es ist.

Meine regelmäßigen Tümpeltouren wird das Selbsteinfrieren nicht ersetzen, aber es beruhigt, wenn man gutes Frostfutter im Gefrierschrank hat - für die wirklich schlechten Tümpelzeiten.

Wie bereits oben im Text erwähnt ist es wichtig, dass die Futtertiere möglichst schnell gefrostet (schockgefrostet) werden. Wer dazu nicht die Möglichkeiten hat, sollte vielleicht lieber auf gekauftes Frostfutter zurückgreifen.

Zu guter Letzt sollte man auch nicht vergessen, dass auch selbst eingefrorenes Tümpelfutter nicht unendlich lange haltbar ist. Prof. Bremer empfiehlt in seinem Buch eine maximale Lagerung von drei Monaten, wenn das Frostfutter bei Temperaturen um -18 °C gelagert wird.

Bei meinem Frostfutter ist mir aufgefallen, dass gerade Frostfutterbeutel mit Cyclops und Wasserflöhen relativ schnell zur Austrocknung (Gefrierbrand) neigen, wenn das Frostfutter (trotz Kunststoffbeutel) beim Öffnen des Gefrierschranks mit Raumluft in Berührung kommt. Schwarze Mückenlarven scheinen hier lange nicht so empfindlich zu sein. Daher empfehle ich, die Hauptmenge der Frostfutterplatten zusätzlich in Kunststoffdosen zu packen. Nur das Frostfutter, dass in den nächsten Tagen verfütter wird, sollte "offen" (im Plastikbeutel) im Gefrierschrank.


Literaturnachweis:

  • BREMER, H: (1997): Aquarienfische gesund ernähren

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