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Ammocryptocharax cf. lateralis (Eigenmann, 1909)

Vorwort:

Foto 1Im Sommer 2002 bot mir Michael Schlüter aus Hamburg an, fünf bisher anscheinend unbeschriebene Bodensalmler von ihm zu übernehmen. Die Tiere wurden im September 2000 durch Ingo Seidel im Issano Creek (mittlerer Mazaruni River oberhalb von Issano/Guayana/Südamerika) gefangen und importiert. Beim Schreiben dieses Textes entdeckte ich durch Zufall auf der Seite von Rainer Massmann (http://www.salmlernetz.de) eine kurzen Hinweis auf meine Fische: Es könnte sich demnach um Ammocryptocharax lateralis (Eigenmann, 1909) handeln.

Zur Systematik: Die Gattung Ammocryptocharax wird zur Unterfamilie Characidiinae, Familie Crenuchidae gezählt.


Fundort:

Mittlerer Mazaruni River oberhalb von Issano, rechtsseitiger Zufluss.

Den Fundort beschreibt Ingo als einen träge bis schnell fließenden Fluss mit teilweise hübschen Wasserpflanzen. Die Wassertemperatur betrug 26 °C, die gemessene Leitfähigkeit 10 µS/cm. Das Wasser sah aus wie Schwarzwasser, jedoch war der PH-Wert mit 5,9 nicht besonders sauer.


Beschreibung:

Nach nunmehr 3 Jahren Pflege im Aquarium hat das größte Tier ein Totallänge von 70 mm erreicht (Standardlänge 65 mm). Der Körper ist, im Querschnitt betrachtet, walzenförmig, das Maul unterständig. Auffallend ist die nach vorne zugespitzte Pupille wie ich sie bereits bei den Gattungen Characidium und Odontocharacidium beobachten konnte. Die Grundfarbe ist cremeweiß (der Bauch weiß), das Längsband, das von der Nasenspitze bis zur Schwanzwurzel verläuft, je nach Stimmung schmutziggrau bis schwarz, kann aber auch fast verschwinden. Zeitweise könnte man das Längsband auch als leicht rötlich bezeichnen.

Die Geschlechterunterscheidung leitete ich bisher am äußeren Erscheinungsbild ab: Die vermeintlichen Weibchen wären somit größer und fülliger als die im Vergleich recht schmächtigen Männchen. Diese Unterscheidung (Größenunterschied) stelle ich aber mittlerweile in Frage, da sich ein bisher als Männchen angesprochenes Tier nunmehr (Oktober/November 2004) als laichvolles Weibchen zeigt. Ein möglicher Geschlechtsunterschied könnte die Form der Brustflossen sein: Ein schlankes, großes Tier (Männchen?) hat im Vergleich zu den restlichen drei Artgenossen spitze Brustflossen (insgesamt wirken diese auch länglicher). Aber das sind bisher alles nur Spekulationen meinerseits, da ich ein Ablaichen noch nicht beobachten konnte.


Pflege und Verhalten im Aquarium:

Foto 2Die fünf Tiere pflege ich in einem 190 l-Artaquarium (70x55x50 cm). Die Wasserwerte schwanken zwischen 50 und 70 μS; eine starke Wasserbewegung wird durch einen Eheim-Innenfilter (2252 - "Kraftpaket") erreicht, dessen Strömung ich durch ein T-Stück am Auslauf teile (sonst würde er die gesamte Beckeneinrichtung verwüsten).

Untereinander sind die Fische relativ verträglich: Es werden im Aquarium keine Reviere besetzt, jedoch kommt es ab und zu zu Verfolgungsjagden. Die Fische halten sich in allen Wasserschichten auf, wobei sie keinerlei Probleme mit starker Wasserströmung haben. Der schlanke, kräftige Körper scheint wie für ein Leben in schnell fließendem Wasser gemacht zu sein. Auffallend ist auch ein flaches Andrücken des Körpers an die Aquarienscheibe wenn die Fische gegen den Filterstrom anstehen.
Die Biotopbeobachtungen von I. Seidel zeigen - wie man auch im Aquarium beobachten kann -, dass sie auch gerne regungslos in der Schwimmpflanzendecke liegen und auf Nahrung lauern.

Ammocryptocharax cf. lateralis haben ein sehr gutes Sehvermögen: Ins Aquarium fallende Insekten, die sich mit der Wasserströmung bewegen, werden von am Boden sitzenden Salmlern erkannt, gezielt angeschwommen und gefressen. Hier tragen sicherlich die in alle Richtungen drehbaren Augen ihren Teil bei.

A. lateralis beim Fressen einer KoecherfliegenlarveAls Nahrung wird jegliches Lebendfutter angenommen: Vom feinen Tümpelfutter über Fruchtfliegen bis hin zu zwei Zentimeter langen Köcherfliegenlarven.
Gerade die Art des Futterfangs ist interessant: Werden Köcherfliegenlarven gefüttert, beißen die Fische - wie andere Salmler auch - in den Köcher und lassen davon ab, wenn sie merken, dass dieser nicht freßbar ist. Haben sie jedoch einmal bemerkt, dass sich darin ein Leckerbissen versteckt, wird die Fliegenlarve die nächsten Minuten nicht mehr aus den Augen gelassen. Entweder bleiben sie dicht neben dem Köcher sitzen oder schwimmen ihn im Abstand von einigen Sekunden an, um nachzusehen, ob sich die Larve heraus wagt.
In einem geeignet erscheinenden Moment wird die Larve geschickt am Kopf gepackt und mit ruckartigen Bewegungen durch den Sand geschleift bis sie ihrer Behausung entledigt ist (siehe Bild).

Bei der Fütterung mit Insekten (Stubenfliegen, Drosophila, ...) stehen die Fische im Freiwasser und schnappen gezielt nach dem Futter. Für alle Futtertiere gilt: Ist das Opfer zu groß um es gleich nach dem Fang zu verschlingen oder wehrt es sich, wird es durch mehrmalige, kräftige Stöße auf den Bodengrund oder auf andere feste Gegenstände (Totholz) betäubt und erst anschließend gefressen.

Über innerartliches Verhalten kann ich leider nicht viel berichten, es gibt nicht genug Beobachtungen. Außer gegenseitigem Jagen kommt es selten zu folgender Geste: Zwei Tiere stehen parallel zueinander und ein Tier zittert stark. Nach einigen Sekunden schwimmt dann der sich passiv verhaltende Fisch einfach weg.


Literaturnachweis:

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